StudiVZ vor dem Aus
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Als Internet-Märchen begann die Geschichte von StudiVZ im Jahr 2005. Heute leidet das soziale Netzwerk an dramatischem Mitgliederschwund – und wird 2012 kaum überleben.
Der Patient wird sterben, der Zeitpunkt steht schon fest. Auf www.wannstirbtstudiVZ.com gibt eine unerbittlich tickende Uhr dem sozialen Netzwerk noch knapp zehn Wochen Gnadenfrist. Ein Balkendiagramm zeigt die Seitenbesuche pro Monat. Im Mai 2010 waren es über 450 Millionen, im November 2011 nur noch rund 80 Millionen. Eine orangene Linie verbindet die Monatswerte miteinander und bildet eine Gerade – die im März 2012 die x-Achse berührt: Exitus.
Dabei begann die Geschichte von StudiVZ als deutsches Internetmärchen. Nach der Gründung im Jahr 2005 strömten die Nutzer dem Netzwerk zu. 2007 kaufte es die Stuttgarter Verlagsgruppe Holtzbrinck für 85 Millionen Euro, StudiVZ war immerhin das erfolgreichste soziale Netzwerk in Deutschland. Dem Aufstieg tat auch eine Klage von Facebook wegen des „Missbrauchs von Facebooks geistigem Eigentum“ keinen Abbruch.
Doch viel gefährlicher als amerikanische Richter war für StudiVZ das deutsche Management. Das Portfolio wurde um SchülerVZ und meinVZ erweitert, um weitere Zielgruppen anzusprechen. Und dann beging der neue Besitzer Stefan von Holtzbrinck den wohl entscheidenden Fehler: Während Mark Zuckerberg seinem Netzwerk laufend neue Funktionen spendierte, wollte Holtzbrinck schnell schwarze Zahlen sehen. Facebook integrierte Spiele und Apps, ließ die User Videos anschauen und bot eine Chatfunktion, bei StudiVZ tat sich dagegen kaum etwas. [...]
Quelle: Frankfurter Rundschau – Soziales Netzwerk – StudiVZ vor dem Ende
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