Homophobie: Ein Jahr Gefängnis für einen Kuss

WOANDERS ENTDECKT

Homosexuell zu sein in Ägypten ist gefährlich. Für „unsittliches Verhalten“ drohen drei Jahre Haft. 95 Prozent der Ägypter halten Homosexualität für unmoralisch. Die Hetzjagd wird schlimmer.

Ägypten ist in Gefahr. Daran lässt die Musik, die der ägyptische Fernseh-Sender „Al Qahira wal nas“ für seine Sondersendung gewählt hat, keinen Zweifel. Dramatisch, düster, nichts Gutes verheißend. In der nächsten Szene werden die Zuschauer Zeuge, wie eine Gruppe halbnackter Männer in einem Badehaus verhaftet wird. Im Untersuchungsbericht der Polizei wird es später heißen, die Männer seien bei eindeutigen homosexuellen Handlungen erwischt worden.

Das ist die Realität für Lesben, Schwule und Transsexuelle (LGBT) im Ägypten der Ära Abdel Fattah al-Sisi. Seit er zum Präsidenten gewählt wurde, sieht sich die LGBT-Szene einer regelrechten Hetzjagd ausgesetzt. „Die Medien verbreiten das Bild, dass wir der Grund für Aids und HIV sind. Und natürlich gibt es auch die Vorstellung, dass alle Schwulen pädophil sind.“ Ahmad erzählt das mit einem bitteren Lächeln auf den Lippen. Er ist Anfang 20, in Berlin würde man ihn vermutlich einen Hipster nennen. Sneakers, kurze Hose, das Smartphone immer in der Hand. Seit er 14 ist weiß er, dass er schwul ist. Davon erzählt hat er bisher nur ganz wenigen. „Diese Vorstellung vom Coming-Out ist eine absolut westliche Idee. Es wäre schön, wenn ich sagen könnte ‚Hej, ich bin schwul und nun habt mich alle lieb‘. In einer muslimischen Gesellschaft wie Ägypten funktioniert das leider nicht so.“ […]

© Textquelle: Deutsche Welle /dw.de

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