Jung und schwul in der Provinz

Allein unter Heteros
Wer als Schwuler nicht in der Großstadt aufwächst, hat es schwer. Die Provinz ist nun mal konservativ und intolerant. Stimmt das? Noch immer? Sebastian Gubernator von der taz ist dieser Sache in seinem Artikel mal nachgegangen.

Wahrscheinlich wäre Marco auch abgehauen, wenn er nicht schwul wäre. Warum hätte er auch bleiben sollen, seine Heimat war zu klein, zu langweilig für einen Mann in seinem Alter: Wittlich, eine Kleinstadt in der Eifel, 19.000 Einwohner, es gibt viele Arbeitsplätze, viel Industrie, aber die Stadt döst vor sich hin.

Nachts sind die Straßen verlassen, die Kneipen leer, das einzige Kino wurde vor Jahren geschlossen. Wer jung ist, zieht weg von hier, Studium in Mainz, Köln, Heidelberg, ein Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland vielleicht. Hauptsache, weg aus der Provinz. Marco ging nach dem Abitur zum Zivildienst nach Saarbrücken, Anfang der Neunziger war das.
„Ich musste in eine größere Stadt“, sagt er, „um so leben zu können, wie ich wollte.“ Marco ist 39, er sitzt vor einem Restaurant in der Berliner Oranienstraße. Die Sonne scheint, Autos fahren vorbei, es riecht nach Gewürzen und frisch gebackenem Teig, die Straße ist voller Restaurants, indisch, türkisch, chinesisch, und gleich um die Ecke: das Roses und das SO36, beliebte Treffpunkte in der Berliner Schwulenszene. Hier ist man multikulturell und tolerant. Ganz anders als damals in Wittlich, sagt Marco. „Ich fand die Stadt konservativ und kleinbürgerlich.“ […]

taz.de

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